Kreisrunder Haarausfall: Ursachen, Symptome und Behandlung

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Wir sind ein internationales Team, das sich mit Leidenschaft der Bereitstellung erstklassiger Haartransplantationspflege widmet. Unser Ziel ist es, Menschen weltweit über Haarausfall aufzuklären und umfassend über die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
In diesem Beitrag

    Medizinisch geprüft von Dr. Levent Acar

    Gründer und Chefarzt für Haartransplantationen

    Aktualisiert am: 30.04.2026

    Kreisrunder Haarausfall, medizinisch Alopecia Areata genannt, ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarfollikel angreift. Typisch sind plötzlich auftretende, runde oder ovale kahle Stellen, meist auf der Kopfhaut, manchmal aber auch an Augenbrauen, Bart, Wimpern oder anderen behaarten Körperstellen.

    Die kahlen Stellen wirken häufig glatt, nicht vernarbt und kaum entzündet. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich: Bei manchen Betroffenen wachsen die Haare von selbst wieder nach, bei anderen kommt es zu wiederkehrenden oder länger anhaltenden Verläufen.

    Die Behandlung richtet sich nach Ausprägung und Verlauf. Je nach Fall können Kortikosteroide, topische Immuntherapien, unterstützende Mittel wie Minoxidil oder moderne systemische Therapien wie JAK-Inhibitoren infrage kommen. Welche Therapie sinnvoll ist, sollte dermatologisch entschieden werden.

    Eine Haartransplantation ist bei aktiver Alopecia Areata meist nicht sinnvoll, weil auch transplantierte Haarfollikel erneut vom Immunsystem angegriffen werden können. Wer kreisrunden Haarausfall bemerkt, sollte die Ursache daher ärztlich abklären lassen, statt vorschnell Hausmittel oder Nahrungsergänzungsmittel auszuprobieren.Welche Anlaufstelle sinnvoll ist, erklären wir im Beitrag Welcher Arzt hilft bei Haarausfall?
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    Was sind die Ursachen von kreisrundem Haarausfall?

    Die genaue Ursache von Alopecia Areata ist bis heute nicht vollständig geklärt. Bekannt ist jedoch, dass es sich um eine fehlgeleitete Immunreaktion handelt. Das Immunsystem greift die Haarfollikel an und stört dadurch den normalen Haarzyklus. Die Follikel können vorzeitig in eine Ruhephase übergehen, wodurch Haare ausfallen.

    Genetische Faktoren spielen wahrscheinlich eine Rolle. Das bedeutet nicht, dass Alopecia Areata automatisch vererbt wird, aber die Veranlagung kann innerhalb von Familien häufiger vorkommen. Auch andere Autoimmunerkrankungen, etwa Schilddrüsenerkrankungen, können bei Betroffenen häufiger auftreten. Deshalb kann es sinnvoll sein, bei bestimmten Symptomen oder auffälliger Vorgeschichte weitere Ursachen ärztlich abklären zu lassen.

    Stress wird häufig als Auslöser diskutiert. Er kann das Immunsystem beeinflussen und bei manchen Menschen Schübe begünstigen. Trotzdem ist Stress nicht die alleinige Ursache von Alopecia Areata. Betroffene sollten sich daher nicht selbst die Schuld geben. Die Erkrankung entsteht in der Regel durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren.

    Welche Symptome sind typisch?

    Das auffälligste Symptom sind runde oder ovale kahle Stellen. Sie entstehen oft plötzlich und können am Anfang klein sein. Die Haut in diesen Bereichen ist meist glatt und nicht vernarbt. Manche Betroffene bemerken vor dem Haarverlust ein Kribbeln, Jucken oder leichtes Brennen auf der Kopfhaut. Andere haben keinerlei Beschwerden und entdecken die Stelle zufällig.

    Alopecia Areata kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Bei manchen Menschen bleibt es bei einer oder wenigen kahlen Stellen. In schwereren Fällen können größere Bereiche der Kopfhaut betroffen sein. Wenn das gesamte Kopfhaar ausfällt, spricht man von Alopecia totalis. Wenn die gesamte Körperbehaarung betroffen ist, wird dies als Alopecia universalis bezeichnet. Auch Nägel können Veränderungen zeigen, zum Beispiel kleine Grübchen, Rillen oder brüchige Nagelplatten. Die British Association of Dermatologists beschreibt Alopecia Areata als Erkrankung, die neben Kopfhaaren auch Bart, Augenbrauen, Wimpern und Nägel betreffen kann.

    Wie wird Alopecia Areata diagnostiziert?

    Die Diagnose erfolgt meist durch eine dermatologische Untersuchung. Der Arzt betrachtet die betroffenen Stellen, prüft das Muster des Haarverlusts und untersucht häufig auch Nägel und Kopfhaut. Mit einem Dermatoskop lassen sich typische Zeichen genauer erkennen.

    Zusätzlich wird in der Anamnese gefragt, wann der Haarausfall begonnen hat, ob er plötzlich oder schleichend aufgetreten ist, ob ähnliche Erkrankungen in der Familie vorkommen und ob weitere Beschwerden bestehen. Je nach Situation können Blutuntersuchungen sinnvoll sein, etwa wenn Hinweise auf Schilddrüsenprobleme, Eisenmangel oder andere Begleitfaktoren bestehen.

    Eine Hautbiopsie ist nur selten notwendig. Sie kann helfen, wenn die Diagnose unklar ist oder andere Formen des Haarausfalls ausgeschlossen werden müssen.

    Ist Alopecia Areata heilbar?

    Alopecia Areata ist nicht in jedem Fall dauerhaft heilbar, aber sie ist behandelbar. Der Verlauf ist schwer vorherzusagen. Bei einigen Betroffenen wachsen die Haare von selbst wieder nach, besonders wenn nur wenige kleine Stellen betroffen sind. Bei anderen kommt es immer wieder zu neuen Schüben oder zu länger anhaltendem Haarverlust.

    Frau betrachtet eine runde kahle Stelle auf der Kopfhaut im Spiegel

    Wichtig ist: Nachwachsende Haare können zunächst fein, hell oder weißlich sein. Mit der Zeit können sie wieder stärker pigmentiert und kräftiger werden. Gleichzeitig kann es vorkommen, dass nach einer Besserung erneut kahle Stellen entstehen. Genau diese Unberechenbarkeit macht Alopecia Areata für viele Betroffene psychisch belastend.

    Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

    Die Behandlung hängt davon ab, wie stark der Haarausfall ausgeprägt ist, wie lange er besteht, welche Körperstellen betroffen sind und wie stark die psychische Belastung ist. Nicht jede Form muss sofort aggressiv behandelt werden. Bei kleinen, frischen Stellen kann manchmal zunächst beobachtet werden, ob spontanes Nachwachsen einsetzt.

    Häufig eingesetzte Therapien sind entzündungshemmende Behandlungen mit Kortikosteroiden. Diese können äußerlich angewendet oder in bestimmten Fällen direkt in die betroffenen Stellen injiziert werden. Ziel ist es, die Immunreaktion an den Haarfollikeln zu bremsen. Auch topische Immuntherapien können bei bestimmten Patientinnen und Patienten eingesetzt werden.

    Minoxidil wird gelegentlich ergänzend verwendet, um das Haarwachstum zu unterstützen. Es behandelt jedoch nicht die Autoimmunursache selbst und ist deshalb bei Alopecia Areata eher als unterstützende Maßnahme zu verstehen. Für ausgeprägte oder schwere Fälle stehen inzwischen auch moderne systemische Therapien zur Verfügung. Dazu gehören sogenannte JAK-Inhibitoren. Baricitinib ist in Europa für schwere Alopecia Areata bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen; Ritlecitinib wurde in NICE-Leitlinien für schwere Alopecia Areata ab 12 Jahren empfohlen.

    Diese Medikamente greifen gezielt in Signalwege des Immunsystems ein. Sie können bei schweren Formen eine wichtige Option sein, sind aber nicht für alle Betroffenen geeignet. Nutzen, Risiken und mögliche Nebenwirkungen müssen ärztlich sorgfältig abgewogen werden.

    Was sollte man bei kreisrundem Haarausfall vermeiden?

    Bei Alopecia Areata ist die Kopfhaut oft empfindlich, auch wenn sie äußerlich unauffällig wirkt. Aggressive Pflege, starkes Reiben, harte Bürsten oder straffe Frisuren können die Kopfhaut zusätzlich belasten. Auch Selbstbehandlungen mit unklaren Wirkstoffen oder hochdosierten Nahrungsergänzungsmitteln sind nicht empfehlenswert, solange kein konkreter Mangel festgestellt wurde.

    Haarpflegeprodukte und Bürste mit Warnsymbol zur Vermeidung von Kopfhautreizungen

    Ebenso wichtig ist ein realistischer Umgang mit Stress. Stress ist nicht „die Schuld“ der Betroffenen, kann aber das Wohlbefinden und möglicherweise auch Krankheitsschübe beeinflussen. Entlastung, Schlaf, psychologische Unterstützung und ein offener Umgang mit der Erkrankung können deshalb sinnvoll sein, besonders wenn die Belastung im Alltag stark ist.

    Wie lange dauert kreisrunder Haarausfall?

    Der Verlauf ist sehr unterschiedlich. Manche kahlen Stellen wachsen innerhalb weniger Monate wieder zu. Bei anderen Betroffenen dauert es deutlich länger oder es entstehen immer wieder neue Stellen. Je größer die betroffene Fläche ist und je länger der Haarverlust besteht, desto schwieriger kann die Behandlung sein.

    Eine frühe Diagnose kann helfen, die Form des Haarausfalls richtig einzuordnen und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen. Sie garantiert jedoch nicht immer eine schnelle Regeneration. Alopecia Areata bleibt eine Erkrankung mit individuell sehr unterschiedlichem Verlauf.

    Können die Haare wieder nachwachsen?

    Ja, bei Alopecia Areata können Haare wieder nachwachsen, weil die Haarfollikel in vielen Fällen nicht dauerhaft zerstört sind. Das unterscheidet die Erkrankung von vernarbenden Formen des Haarausfalls. Trotzdem ist Nachwachsen nicht garantiert und hängt vom individuellen Verlauf ab.

    Wenn Haare nachwachsen, kann das zunächst ungleichmäßig aussehen. Manche Haare wachsen feiner oder heller nach. Auch ein erneuter Ausfall ist möglich. Deshalb sollte der Verlauf regelmäßig beobachtet und bei Veränderungen dermatologisch begleitet werden.

    Haartransplantation bei Alopecia Areata: Ist das sinnvoll?

    Eine Haartransplantation ist bei aktiver Alopecia Areata in der Regel nicht die erste Wahl. Da es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, besteht das Risiko, dass das Immunsystem auch transplantierte Haarfollikel angreift. Solange die Erkrankung aktiv ist oder neue Stellen entstehen, ist eine Transplantation daher meist nicht sinnvoll.

    Ärztin erklärt einer Patientin Behandlungsmöglichkeiten bei Alopecia Areata

    In einzelnen stabilen Fällen kann eine Haartransplantation theoretisch geprüft werden, etwa wenn über längere Zeit keine neuen Schübe auftreten und die Diagnose eindeutig ist. Das muss jedoch sehr sorgfältig beurteilt werden. Allgemeine Informationen finden Sie im Beitrag zu den Risiken einer Haartransplantation. Bei Cosmedica steht deshalb zunächst die Abklärung der Ursache und Stabilität des Haarausfalls im Vordergrund. Erst danach lässt sich seriös einschätzen, ob eine Haartransplantation überhaupt infrage kommt.

    Wann sollte man zum Arzt?

    Eine ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn plötzlich runde kahle Stellen entstehen, wenn sich die Stellen schnell vergrößern oder wenn zusätzlich Augenbrauen, Bart, Wimpern oder Nägel betroffen sind. Auch bei starkem Juckreiz, Schmerzen, Schuppen, Rötungen oder Unsicherheit über die Ursache sollte ein Dermatologe aufgesucht werden.

    Dermatologin untersucht die Kopfhaut einer Patientin auf kreisrunden Haarausfall.

    Je früher klar ist, um welche Form des Haarausfalls es sich handelt, desto besser können geeignete Maßnahmen besprochen werden. Das ist besonders wichtig, weil Alopecia Areata anders behandelt wird als erblich bedingter Haarausfall, hormoneller Haarausfall oder mangelbedingter Haarausfall.

    Kreisrunder Haarausfall sollte daher nicht vorschnell mit Hausmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln behandelt werden. Entscheidend ist eine klare Diagnose, damit die passende Therapie gewählt und der Verlauf realistisch eingeschätzt werden kann.

    FAQ

    Was ist Alopecia Areata?

    Alopecia Areata ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Haarfollikel angreift. Typisch sind plötzlich auftretende, runde oder ovale kahle Stellen.

    Ist kreisrunder Haarausfall heilbar?

    Alopecia Areata kann sich spontan bessern, ist aber nicht immer dauerhaft heilbar. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich und kann schubweise auftreten.

    Wachsen Haare bei Alopecia Areata wieder nach?

    Ja, Haare können wieder nachwachsen, weil die Haarfollikel meist nicht dauerhaft zerstört sind. Das Nachwachsen ist jedoch nicht garantiert und Rückfälle sind möglich.

    Was hilft gegen kreisrunden Haarausfall?

    Je nach Schwere kommen Kortikosteroide, topische Immuntherapien, unterstützende Mittel wie Minoxidil oder bei schweren Formen moderne systemische Therapien wie JAK-Inhibitoren infrage.

    Ist Alopecia Areata durch Stress verursacht?

    Stress kann das Immunsystem beeinflussen und möglicherweise Schübe begünstigen. Er gilt aber nicht als alleinige Ursache von Alopecia Areata.

    Ist eine Haartransplantation bei Alopecia Areata möglich?

    Bei aktiver Alopecia Areata ist eine Haartransplantation meist nicht sinnvoll, weil auch transplantierte Haarfollikel wieder angegriffen werden können. Nur in stabilen Ausnahmefällen kann sie geprüft werden.

    Sollte man bei kreisrundem Haarausfall zum Hautarzt?

    Ja. Runde kahle Stellen sollten dermatologisch abgeklärt werden, damit die Diagnose gesichert und andere Ursachen ausgeschlossen werden können.